N.T. Wright, Worum es Paulus wirklich ging. Deutsche Übersetzung. (Giessen: Brunnen Verlag, 2010)
Paulus. Ein leicht angegrauter, viel studierender und vielstudierter Theologe, welcher neu entstandenen Kirchen im nahen und nächsten Osten per Brief einige Glaubenssätze diktierte und damit das Neue Testament etwas bereicherte. Ein schaler Professor, welcher das Judentum überwunden hat und einen neuen Glauben postulierte. So stellt man sich Paulus oft vor. Oder nicht?
Doch Paulus ist anders! Und zwar sehr. Paulus hat eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung mit Jesus Christus gemacht. Danach eiferte er nicht mehr, indem er Leute umbrachte, welche nicht desselben Glaubens waren wie er selber, sondern er benutzte seine Energie nun um in der Welt umherzureisen, um zu prophezeien, in neuen Sprachen zu beten und feurige Predigten zu halten. Dabei blieb Paulus seinem Bundesgott, den er bereits aus dem Judentum kannte, treu. Aber er war nun der Herold des Königs und Teil einer Bewegung,
„die mit der Auferstehung beginnt und mit der Erneuerung aller Dinge endet. Er ist … der Herold des Königs; und der König ist der König aller Könige und der Herr aller Herren. Die jüdische Hoffnung, dass Israels König der König der Welt sein würde, war im Messias Jesus wahr geworden.“[1]
Das war die Mission von Paulus. Und die Mission von N.T. Wright ist es, diese in ein neues Licht zu rücken. Wright war anglikanischer Bischof und ist Professor für Neues Testament an der St. Andrews University in Schottland. Er wird wohl zu Recht als „the world’s foremost New Testament theologian“ bezeichnet. Wright ist gefragter Redner und effizienter Autor, wie der Liste seiner Veröffentlichungen auf seiner Homepage zu entnehmen ist. Und manchmal singt er seine Theologie auch (siehe hier). Was die Menschheit im englischsprachigen Raum bereits gemerkt hat, ist offensichtlich in der deutschen Theologie noch nicht durchgedrungen: Wright ist der momentan kundigste Paulus und Leben-Jesu Forscher weit und breit.
Mit seinem Buch „Worum es Paulus wirklich ging“ ist es Wright gelungen, ein neues Bild von Paulus und seinem Anliegen zu zeichnen. Das Buch hat mich von Beginn weg gefesselt. Obwohl theologisch, so ist es beinahe romanartig geschrieben. Unter dem Namen „Tom Wright“ veröffentlicht der Autor seine Bücher, welche für das breite Publikum gedacht sind. Unter N.T. Wright fällt seine restliche, theologisch äusserst fundierte Literatur, welche zugleich auch den Grossteil seiner Arbeiten ausmacht.[2]
Wright legt im vorliegenden Buch dar, dass Evangelium etwas anderes meint, als ein Punkt-für-Punkt Plan auf dem Weg zum Glauben an Jesus. Evangelium ist für Paulus in erster Linie die Verkündigung, dass Jesus der König seiner Schöpfung ist. Auch der Begriff der Rechtfertigung erfährt bei Wright eine neue Dimension. Wright ist es wichtig, die Theologie von Paulus nicht wie oft üblich, zu zerstückeln, sondern in ihrer Gesamtheit zu sehen. Er vertritt eine „Bundestheologische Leseweise“. Wright verweist immer wieder auf die Story von Gott mit seinem Volk Israel und der Kirche.
Das Buch, „Worum es Paulus wirklich ging“, hat mein Bild von Paulus grundlegend verändert. Ich kann es allen Theologen wärmstens empfehlen. Denn was Wright verfasst, hat Substanz. Wem das Buch gefällt, der findet bei Wright eine Fülle weiterer Literatur. Auch wenn die Theologie im deutschsprachigen Raum einmal mehr den Blick nicht über den Tellerrand zu heben vermag, sie wird um N.T. Wright und seine Erkenntnisse in den nächsten Jahren nicht herumkommen!
[1]Tom Wright, Worum es Paulus wirklich ging, Übersetzung: Rainer Behrens, (Giessen: Brunnen Verlag, 2010), 188f.
[2]Siehe z.B. sein, erst kürzlich auf Deutsch erschienenes Buch: N.T. Wright, Das Neue Testament und das Volk Gottes. Übersetzung: Reiner Behrens, (Marburg an der Lahn: Francke-Buchhandlung, 2011).